Straßenbahn Florenz

Unternehmen

Seit dem 15.02.2010 ist die Tram Florenz im Linienbetrieb, vorerst auf einer Linie zwischen Florenz und der Nachbargemeinde Scandicci.

Die Straßenbahn Florenz wird von einer eigens dafür gegründeten Gesellschaft namens GEST betrieben. An dieser Gesellschaft ist die RATP, die den Pariser Nahverkehr betreibt, über eine Tochtergesellschaft mit Mehrheit beteiligt, Minderheitsgesellschafter ist ATAF, der florentiner Busbetrieb.

GEST hat eine eigene Webseite unter www.gestramvia.it, leider nur mit summarischen Fahrplaninformationen mit Verkehrszeiten und Takten, wie in den romanischen Ländern angesichts des doch dichten Fahrplantaktes üblich.

Das Liniennetz

Florenz baut ein Straßenbahnsystem mit zunächst drei Linien, wobei die Linien 1 und 3 wohl später durchgebunden werden, sowie weiteren möglichen Linienerweiterungen. Die Tram ist in Florenz sehr umstritten. Es hat ein Bürgerbegehren gegen das "Monster von Florenz" gegeben, mit dem mehrheitlich gegen die Tram votiert wurde, welches aber mangels ausreichender Beteiligung scheiterte.

Tram im Probebetrieb

Probebetrieb auf dem äußeren Streckenast der Linie 1

Derzeit ist nur die Linie 1 im Betrieb. Sie ist 7,4 km lang und führt von der Florenzer Innenstadt, der Bahnstation Santa Maria Novella, quasi dem Hauptbahnhof, in südwestlicher Richtung in die Nachbargemeinde Scandicci, wo 13 Haltestellen weiter der Endpunkt Villa Constanza erreicht wird. Sie wurde Mitte Februar 2010 zunächst im Testbetrieb und seit Anfang April 2010 im Vollbetrieb (siehe unten) befahren.

Bausituation im September 2009

Die Strecke war im September 2009 komplett fertig gebaut; Restarbeiten konnten an der Oberleitung im Bereich der Innenstadt sowie am Unterwerk an der Haltestelle Porto del Pignone beobachtet werden. Testfahrten mit einem Fahrzeug konnten zwischen dem Gleiswechsel nördlich der Haltestelle Ronco Corto und dem Betriebshof beobachtet werden. In Scandicci waren, etwa an der Endstelle, bereits die Fußgängersignalanlagen in Betrieb, obwohl die gesamte Strecke komplett eingezäunt war und somit auch kein Passant die Gleisanlagen überqueren konnte.

Dort, wo Kreuzungen schon damals unvermeidlich waren, etwa an Straßenkreuzungen, war die Strecke auch über die Gleisanlagen hinweg abgesperrt. Daher erforderte ein Betrieb mit Schienenfahrzeugen, daß zunächst die Absperrungen beseitigt wurden.

Wagen 6

Wagen 6 im Probebetrieb am Gleiswechsel nördlich der Haltestelle Ronco Corto. Deutlich ist die Abzänung der Strecke zu erkennen.

Der Betriebshof war ebenfalls betriebsbereit. Er besteht neben einem Verwaltungsgebäude aus einer sechsgleisigen Werkstatt sowie einem viergleisigen Carport im Ein- bzw. Ausfahrtsbereich.

Die Linien-Fahrzeuge

Für die Tram Florenz wurden von AnsaldoBreda fünfteilige, 32m lange und 2,4m breite Zweirichtungs-Triebwagen geliefert. Für den Betrieb der Linie 1 sind 17 Triebwagen bestellt worden, weitere 22 plus 7 sind für die weiteren Linien vorgesehen.

Mitte September 2009 konnten 10 Fahrzeuge gezählt werden; davon war ein Fahrzeug, mit der Nummer 11 bezeichnet, offenbar erst kurze Zeit zuvor abgeliefert worden.

Es wurden Testfahrten mit Fahrzeug Nummer 6 beobachtet. Die Fahrzeuge hatten noch keine Beschriftung, vielmehr waren Schilder in die Fenster geklebt.

Die Strecke

Westlich der Bahnstation Santa Maria Novella liegt die Endhaltestelle. Die Züge wenden über einen doppelten Gleiswechsel vor der Haltestelle. Nach der Haltestelle liegen noch ca. 100m Doppelgleis für die Fortführung der Strecke in Richtung Dom. Diese Gleise können vorerst für die Abstellung von wohl 2 Fahrzeugen zwischen den Hauptverkehrszeiten genutzt werden.

Die Strecke ist komplett auf besonderem Bahnkörper trassiert, teilweise sind die Gleise eingepflastert, teilweise ist der Bahnkörper begrünt. Die Haltestellenabstände sind wohl größer als bei den derzeit parallel führenden Buslinien.

Eine neue Arno-Brücke, die auch für Fußgänger und Fahrradfahrer vorgesehen ist, eine Unterführung einer großen Straßenkreuzung zwischen den Haltestellen Talenti und Foggini sowie eine weitere längere Brücke bei der Haltestelle Aldo Moro zeigen den enormen Aufwand, der für die Tram betrieben wurde.

Tram beim Umsetzen

Wagen 6 setzt um.

Der Betriebshof wird durch eine ca. 500m lange zweigleisige Betriebsstrecke erreicht, die ebenfalls eine teuere Lösung erforderte: eine Unterführung unter der Autobahn hindurch.

Die Zufahrt zum Betriebshof zweigt ca. 200m vor der Endstelle Villa Constanza ab. In Richtung Stadt besteht ein zweigleisiger Abzweig, in Richtung Villa Constanza ist nur das stadteinwärts führende Gleis angeschlossen, allerdings können dorthin ausrückende Fahrzeuge in Falschfahrt die Endstelle erreichen. Unmittelbar nach dem Abzweig sind in der Zufahrt zum Betriebshof zwei gegenläufige Gleiswechsel vorhanden.

Die Endstelle selbst ist eine Stumpfendstelle mit Gleiswechsel hinter der Haltestelle. Auf dem stadteinwärtigen Gleis lassen sich hinter der Haltestelle zwei Triebwagen abstellen.

Gleiswechsel sind auch auf der Strecke vorhanden, um bei Betriebsstörungen ggf. einen Teilbetrieb aufrecht erhalten zu können. Von der Innenstadt aus gesehen liegen sie westlich der Haltestelle Leopolda, westlich der Station Batoni, nördlich von Rocco Corto sowie in Scandicci bei der Haltestelle Aldo Moro.

Eine ausführliche Strecken-Fotodokumentation im Bauzustand September 2009 auf der Folgeseite.

Fahrt Richtung Scandicci

Triebwagen 6 durchfährt die Haltestelle Ronco Corto in Richtung Scandicci, Villa Constanza.

Betriebsprogramm

Bezogen auf die Rückfahrt Alamanni-Statione (Hauptbahnhof) Richtung Scandicci wurde am 15.02.2010 zunächst werktags der Betrieb zwischen 06:30 Uhr und etwa 21:00 Uhr im 8-Minuten-Takt aufgenommen. Später kam ein Wochenendbetrieb dazu.

Ab dem 21.03.2010 wurde die Betriebszeit auf 05:30 Uhr bis 00:30 Uhr ausgedehnt, zunächst werktags alle 5, dann alle 4 Minuten in den Hauptverkehrszeiten, und sonntags alle 8 Minuten.

Ab dem 04.04.2010 wird tagsüber montags bis freitags alle 4 Minuten, in den Randzeiten alle 6 Minuten, samstags alle 5 bzw. 6 Minuten und sonntags nachmittags alle 5, in den übrigen Zeiten alle 9 Minuten gefahren.

Zum 15.05.2010 wurden die Bedienzeiten des dichten Fahrplantaktes montags bis freitags ausgedehnt, von 07:30 bis 20:30 Uhr auf 07:00 bis 21:00 Uhr, und die Vormittagsausdünnung am Samstag von 5 auf 6 Minuten aufgegeben. Seit dem 12.06.2010 gibt es einheitliche Fahrplantakte an allen Werktagen mit 5 Minuten in der Spitze.

Die ersten Züge rücken vom Betriebshof direkt in Richtung Florenz Innenstadt aus, die Endstelle Villa Constanza wird erst nach dem ersten Umlauf des ersten Zuges bedient, angesichts der derzeit noch spärlichen Bebauung um die Endstelle herum eine vertretbare Lösung. Die Züge enden vor dem Einrücken in den Betriebshof alle an der Villa Constanza.

Ausbaupläne

Nächstes Projekt ist die Linie 2 vom Flughafen zum Hauptbahnhof und weiter am Dom vorbei bis zur Piazza della Liberta. Die Strecke ist 7,2 km lang und hat 18 Haltestellen. Auch wenn die Streckenführung nur auf der heute stark von Bussen befahrenen Straße am Dom vorbei vorgesehen ist, ist der Streit darüber noch nicht beendet.




Zum Seitenanfang